Die deutsche Herbst‑Versicherungssaison begann mit einer unerwarteten Wendung für Autofahrer in Deutschland und dem benachbarten Österreich: Nach Jahren kräftiger Aufschläge liegen die neuen Kfz‑Tarife im Schnitt nur etwa zwei Prozent über dem Vorjahr — und Sparangebote sind teils sogar günstiger. Das bietet Millionen von Versicherungsnehmern bei Vertragswechseln reale Einsparchancen, doch steigende Werkstattrechnungen und höhere Versicherungskosten für einige E‑Autos halten den Druck auf den Prämien aufrecht.

Marktüberblick: Tarife, Einsparungen und wer profitiert

Analysen des Vergleichsportals Verivox zeigen, dass für Verträge mit Beginn zum 1. Januar 2027 die durchschnittlichen Kfz‑Versicherungspreise über Haftpflicht, Teil‑ und Vollkasko rund 2% über dem Niveau von Oktober 2025 liegen; im günstigen Segment sind die Preise etwa 2% unter dem Vorjahreswert. Verivox errechnet zudem, dass Versicherte durch einen Wechsel von einem mittleren in einen günstigen Tarif bis zu 36% sparen können.

Die Rückkehr aggressiver Preisgestaltung folgt auf drei Jahre marktweiter Erhöhungen. Versicherer verfolgen nun unterschiedliche Strategien: Einige signalisieren weiterhin weitere Anhebungen, andere werben mit niedrigen Einstiegspreisen um Neukunden — eine Dynamik, die Verivox‑Geschäftsführer Aljoscha Ziller als Wiederaufleben eines echten „Preiskampfs“ beschrieben hat.

Preistreiber: Reparaturkosten und E‑Auto‑Tarife

Dieses wettbewerbliche Bild verdeckt jedoch anhaltende Kostenbelastungen. Der Branchenverband (GDV) warnt, dass die durchschnittlichen Reparaturkosten in Deutschland in den letzten zehn Jahren stark gestiegen sind — Versicherer berichten, dass eine typische Reparatur inzwischen etwa 4.600 € kostet, rund 70% mehr als vor zehn Jahren — und die gesamten Kfz‑Schadenzahlungen in die mehreren zehn Milliarden steigen werden. GDV‑Chef Jörg Asmussen sagte den Nachrichtenagenturen, diese gestiegenen Teile‑ und Werkstattrechnungen seien der zentrale Treiber der früheren Prämienerhöhungen.